Was sagen wissenschaftliche Studien über den Pflanzeninhaltsstoff CBD aus?

Die Wissenschaft befasst sich seit einiger Zeit mit der Erforschung des Wirkstoffs CBD. Viele Ergebnisse stammen dabei aus Studien mit Zellkulturen oder Tiermodellen, die sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen lassen. Klinische Studien am Menschen sind aufwendig und teuer. Da sich der Pflanzenstoff nicht patentieren lässt, fällt die Motivation finanziell potenter Konzerne, sich mit solchen Studien zu befassen nur sehr gering aus. Eine Vielzahl der wissenschaftlichen Publikationen enden also nicht selten mit Sätzen wie „should be the subject of future research“ oder „further research is needed“. Leider ist das im Zeitalter der evidenzbasierenden Medizin völlig korrekt , da das Fehlen geschlossener Beweisketten schlichtweg für die praktizierende Klientel, wie Ärzte, absolut ein Problem darstellt.
Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass es durchaus Beweisketten gibt, die Wirkmechanismen belegen. Der Vollständigkeit halber muss auch erwähnt werden, dass fehlende Beweise oder Beweiskettenglieder nicht automatisch auch Hinweise für fehlende Effekte oder Wirkungen sind.

Wir laden Sie ein, uns auf einen kurzen Exkurs zu den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum CBD-Themenkomplex zu begleiten.

Epilepsie
CBD in der Anwendung bei Epilepsie wurde vergleichsweise gründlich untersucht. Zwar kann auch hier bezüglich des Studiendesigns bemängelt werden, dass relativ wenige randomisierte kontrollierte (RTC) Studien (Mindeststandard zum Schaffen wissenschaftlicher Evidenz) durchgeführt wurden, allerdings hat sich bei einem großen Anteil der Patienten in den als RTC durchgeführten durch die Einnahme von CBD die Anfallshäufigkeit deutlich verringert. Dies führte letztlich dazu, dass das Pharmaunternehmen GW 2018 mit Epidiolex® ein Fertigarzneimittel, das ausschließlich CBD als Wirkstoff enthält, auf den US-Markt brachte. 2019 erhielt es unter dem Namen Epidyolex® auch die Zulassung in Deutschland und der EU. In Kombination mit einer Standardtherapie gilt CBD vor allem zur Behandlung therapieresistenter Formen der Epilepsie, wie Lennox-Gastaut und Dravet-Syndrom, von denen oft Kinder betroffen sind, als vielversprechende neue Behandlungsoption. Erste gute Ergebnisse liefern auch Untersuchungen zur Behandlung weiterer Formen der Epilepsie sowie von Krampfanfällen im Allgemeinen. Aber wie so oft in der CBD-Forschung gilt aber auch hier: „Further research is needed.“

Stress und Angststörungen
In einer „Public Speaking Stress Studie“ der Universität von São Paulo ließen Forscher Probanden unvorbereitet zu einem Ihnen unbekannten Thema vor Publikum sprechen. So wurde eine Situation mit Stresspotenzial für die Probanden erzeugt.
Ergebnis der Studie: CBD kann in dieser akuten Stresssituation angstlösend wirken. Allerdings spielt die Dosierung eine wichtige Rolle. Forscher gehen von einer “inverted U-shaped dose-response curve” aus, d.h. die Dosis-Wirkungs Kurve hat die Form eines umgedrehten U’s. Während mittlere Dosierungen im Experiment zu starken und statistisch signifikanten Reduktionen des Stresslevels führten (gewünscht) wirkten geringere oder sehr hohe Dosierungen hingegen nicht und führten im Gegenteil teilweise zu mehr Stress (unerwünscht).

In einer weiteren wissenschaftlichen Veröffentlichung zum Thema CBD als potenzieller Wirkstoff zur Behandlung von Angstzuständen aus dem Jahr 2015 wurden insgesamt 49 präklinische, klinische oder epidemiologische Primärstudien einbezogen. Herausgefunden wurde, dass die vorhandenen präklinischen Erkenntnisse, dass CBD bei akuter Verabreichung zur Behandlung von allgemeinen Angststörungen, Panikerkrankungen, sozialer Angststörungen, Zwangsstörungen und posttraumatischer Belastungsstörungen stark unterstützend wirken kann. Allerdings haben nur wenige Studien auch die chronische Verabreichung von CBD untersucht. Insgesamt unterstreicht die Veröffentlichung vorhandene Potenziale und wie so oft auch den Bedarf an weiteren Studien.

Schlaf
Eine schlaffördernde Wirkung konnte CBD u.A. in einer Studie der Universität von Colorado im Jahr 2019 bestätigt werden. So ließ sich die Schlafqualität bei 2 von 3 Patienten durch die Einnahme von CBD im ersten Monat deutlich verbessert. Allerdings nahm der Effekt im zweiten und dritten Monat wieder ab. Ein Gewöhnungseffekt nach einem Monat der Einnahme und relativ geringe Dosierungen von 25 175 mg CBD (in Ölform) pro Tag könnten mögliche Erklärungen hierfür sein. Leider gab es auch keine Kontrollgruppe und da es sich zudem um eine „open-label“ Studie handelt wussten die Probanden und Forscher, wann sie jeweils welche Dosierung an CBD erhielten. So lässt auch diese Studie auf Grund fehlender Verblindung und Randomisierung keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen im Sinne von evidenzbasierender Medizin zu. Summa summarum bleibt aber festzuhalten, dass verschiedene Quellen zusammengefasst ein Potenzial des CBD zur Förderung eines guten Schlafverhaltens attestieren.

Schmerz
Eine schmerzlindernde oder schmerzstillende Wirkung von Cannabis ist ebenfalls historisch aus dem Hausmittelgebrauch verschiedenster Kulturen überliefert. Auch für CBD konnte in einer im Jahr 2019 veröffentlichten Studie aus den USA gezeigt werden, dass CBD bei sehr guter Verträglichkeit neuropathische Schmerzen signifikant reduzieren kann. Bei den 29 Probanden war auch im Crosstest eine statistisch deutliche Verringerung von starken Schmerzen, stechenden Schmerzen, Kälte- und Juckreizempfindungen der CBD Gruppe gegenüber der Placebogruppe zu beobachten.

FAZIT

Nebst historischer Überlieferungen weist auch in der wissenschaftlichen Literatur einiges darauf hin, dass CBD bei verschiedenen Leiden erfolgreich und vor Allem unbedenklich eingesetzt werden kann. Allerdings fehlt noch an vielen Stellen eine wissenschaftliche lückenlose Beweiskette im Sinne der bereits erwähnten evidenzbasierten Medizin. Dass sich das in naher Zukunft weitgehend ändern lässt, bleibt eher fraglich. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse verschiedener Studien mit einheitlicher Bewertung ist aufgrund der unterschiedlichen Studiendesigns und Forschungsmethoden nicht so ohne Weiteres möglich. Die aussagekräftigsten und medizinisch notwendigen klinischen Studien sind, gerade vor dem Hintergrund, dass sich pflanzliche Cannabinoide wie CBD nicht patentieren lassen und damit begrenzt schützbar sind, nahezu exorbitant teuer. Was die wissenschaftliche Erforschung von Cannabinoiden im Allgemeinen nicht selten auf Grund von fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten bremst. Nichtsdestotrotz gibt es nahezu keine Pflanze, die Gegenstand so vieler Studien ist. Somit sind auch weitere aussagekräftige Untersuchungen, welche die positiven Erfahrungsberichte unzähliger Anwender untermauern, zu erwarten.

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